Aktuell wirkt die Lage entspannt.
Keine katastrophalen Krisenmeldungen, die sich länger als einen Tag in den Medien halten. Griechenland scheint weiter Geld zu bekommen (was die Pleite weiter hinauszögert). Und auch das Krisenbarometer auf der krisentalk-Homepage ist etwas gefallen.

Recherchiert man jedoch etwas genauer, so hat es den Anschein als ob im laufenden Jahr aus der aktuellen Ruhe ein Sturm werden könnte. Ich möchte das an zwei Fakten aufzeigen.

Fälligkeit von Staatsanleihen  2012

In diesem Jahr ist der Finanzierungsbedarf der großen Euro-Länder stark erhöht gegenüber dem Vorjahr:

  • Spanien                 2011:   < 40 Mrd. Euro                   2012:  >  130 Mrd. Euro
  • Deutschland          2011:   < 60 Mrd. Euro                   2012:  >  250 Mrd. Euro
  • Frankreich             2011:   < 80 Mrd. Euro                   2012:  >  220 Mrd. Euro
  • Italien                     2011:   < 70 Mrd. Euro                   2012:  >  300 Mrd. Euro

Wenn die Märkte unruhig werden, wird dieser hohe Finanzierungsbedarf zum Problem. Die Zinsen für die einzelnen Länder würden enorm steigen, es würde an den Märkten nicht genug Geld zur Verfügung stehen und weitere Rettungspakte wären die Folge. 
Was das für die Wirtschaft, Anleger und Steuerzahler bedeutet, kennen wir aus der Vergangenheit ….

Die Politik möchte das natürlich vermeiden.  Ein Mittel welches aktuell angewendet wird, ist eine bisher noch nie dagewesene Geldvermehrung durch die Europäischen Zentralbank (EZB).

EZB Geldschwemme

Alleine im Dezember und Februar hat die Europäischen Zentralbank (EZB) über eine Billion Euro in den Markt gepumpt.  Musste das Geld früher innerhalb von Wochen von den Staaten (und Banken) zurückgezahlt werden, wird das Geld nun langfristig verliehen. Erst nach drei Jahren muss es getilgt werden.

Billiges Geld wird also ohne große Sicherheiten verliehen. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage wird bei der Staatenfinanzierung quasi aufgehoben.  Die Zinsen bleiben niedrig.  Geld wird im Überfluss produziert. Damit wird ein System geschaffen, in welchem politische Institutionen nach „Gefühlslage“ über die Geldströme in Europa verfügen.

Kurzfristig können so Probleme gelöst und Märkte beruhigt werden.  Aber ist es sinnvoll die Kernprobleme dadurch zu verschleiern? Sollten die Staaten nicht wirtschaften? Wird das Problem nicht nur in die Zukunft verschoben mit viel fatalerer Auswirkung?

Ach ja, wie war das nochmal mit der Inflation und Geldvermehrung?

Zitat Wikipedia zur Deutschen Hyperinflation 1914 bis 1923
Eigentliche Ursache der ab 1919 schon beginnenden Hyperinflation war die massive Ausweitung der Geldmenge durch den Staat in den Anfangsjahren der Weimarer Republik, um die Staatsschulden zu beseitigen.