Prof. Dr. Hanno Beck erläutert den Wahnsinn der aktuellen Euro-Rettung und zeigt Alternativen auf. Hanno Beck lehrt als Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Pforzheim, hat lange als Wirtschaftsjournalist gearbeitet und ist Autor zahlreicher Bücher (z.B. "Staatsverschuldung: Ursachen, Folgen, Auswege" und "Abgebrannt: Unsere Zukunft nach dem Schulden-Kollaps").
Meine Definition von Wahnsinn: Immer wieder das Gleiche machen, aber ein anderes Ergebnis erwarten. Und genau das tut man mehr oder weniger seit Beginn der Euro-Krise:
Immer mehr Geld zur kurzfristigen Finanzierung der Schulden aufbringen, statt eine langfristige Lösung der Probleme anzugehen. Man könnte hier auch von Konkursverschleppung sprechen. Das Grundproblem der Union, einer fehlerhaften Währungsunion, wird weder durch Rettungsschirme noch durch Geld-Bazookas der Europäischen Zentralbank gelöst, sondern nur vertagt.
Krisentalk: Wieso war Ihrer Ansicht nach der Euro vom Start weg eine Fehlkonstruktion?
Weil erstens zu viele Staaten mit zu unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen, zu unterschiedlichen Mentalitäten sowie fiskal- und geldpolitischen Vorstellungen in eine einheitliche geldpolitische Zwangsjacke gesteckt wurden, die dann zweitens zu allem Übel sämtliche Vorkehrungen gegen exzessive Staatsverschuldung ignoriert und unterlaufen haben, mit Billigung aller Beteiligten - was schon zu Beginn der Währungsunion absehbar war: Bereits vor Beginn der Union wurden diese Vorgaben ignoriert oder es wurde getrickst.
Krisentalk: Sehen Sie noch eine Chance für den Euroraum? Welche Maßnahmen empfehlen Sie der Politik?
Kurzfristig geht es darum, das Bankensystem zu stabilisieren, das - auf Drängen und Verlockungen der Politik - verschwenderischen Staaten zu viel Geld geliehen hat und jetzt um dieses Geld fürchten muss. Es ist einfach billiger, Banken statt Staaten zu retten. Das bedeutet auch, dass wir zulassen müssen, dass europäische Staaten auch pleite gehen - anders werden wir noch über Jahrzehnte Geld in Fässer ohne Boden schütten, denn warum soll man sich mäßigen, wenn es immer wieder neue Finanzquellen gibt und die Union explizit sagt, dass sie keinen Staat pleite gehen lässt? Und warum sollen Banken aufhören, Geld an Pleitestaaten zu leihen, wenn sie wissen, dass am Ende der Steuerzahler dafür gerade stehen wird?
Langfristig muss man davon ausgehen, dass der Euro-Raum in dieser Form nicht bestehen bleiben wird, entweder es gibt deutliche Veränderungen in der Verfassung, die auch von den Beteiligten ernst genommen werden (und nicht so wie der Maastrichter Vertrag permanent gebrochen werden) oder aber der Euro-Raum wird in seiner regionalen Zusammensetzung so nicht bleiben. So oder so wird es aber für Griechenland sehr schwer, sich im Euro-Raum zu halten. Ökonomisch gesehen ist der Euro gescheitert, er wird nur noch vom Willen der Politik zusammengehalten und von der Duldsamkeit der Bürger, viel viel Geld für die Fehler der Politik zu zahlen. Aber auch diese Duldsamkeit darf man nicht überstrapazieren.
