Professor Dr. Christoph Kaserer

Professor Dr. Christoph Kaserer erläutert warum Rettungsschirme für spanische Banken die falsche Lösung sind. Er ist anerkannter Experte für empirische Kapitalmarktforschung sowie für Unternehmensfinanzierung und –kontrolle. Prof. Dr. Kaserer leitet den Lehrstuhl für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München.

Die spanische Bankenkrise ist eine klassische Immobilienkrise und insoweit nicht mit der Finanzkrise von 2008 zu vergleichen. Die spanischen Banken haben nicht nur ein kurzfristiges Liquiditätsproblem, sondern ein langfristiges Ertragsproblem. Dieses kann nur durch eine Restrukturierung des gesamten Bankensektors gelöst werden. Staatliche Stützungsaktionen laufen immer Gefahr, dass sie genau diese Restrukturierung behindern. Eine flächendeckende Stützung der spanischen Banken darf es daher nicht geben.

Nur jene Banken, die nachweisen können, dass sie kein Solvenz-, sondern nur ein Liquiditätsproblem haben, dürfen gerettet werden. Die anderen müssen im Sinne einer möglichst raschen Erholung des Bankensektors abgewickelt werden. Sollte sich eine dieser Banken als systemrelevant erweisen, wovon man derzeit nicht ausgehen muss, wären ggf. weitergehende Stützungsmaßnahmen zu erwägen.

Genau mit dieser Herangehensweise hat die Bundesbank übrigens die Krise des deutschen Bankensektors Mitte der 70er Jahre gelöst. Selbiges gilt für die Bankenkrisen in Skandinavien und in der Schweiz anfangs der 90er Jahre. Zudem ist zu beachten, dass ein Zusammenbruch mehrerer spanischer Banken keinesfalls zu ähnlichen Reaktionen führen würde wie der Lehmann-Zusammenbruch. Während Lehmann nämlich eine international stark verflochtene Investmentbank war, haben die allermeisten der betrachteten spanischen Banken lediglich regionale oder allenfalls nationale Geschäftsbeziehungen. Eine Ausnahme ist lediglich die Banco Santander, welche aber von der aktuellen Krise nicht existenzgefährdend betroffen zu sein scheint.

Prognose zur Euro-Rettung --  Ohne Strukturreformen bricht der Euro auseinander

Eine Prognose ist diesbezüglich extrem schwierig. Ich könnte mir aber folgendes Szenario vorstellen. Kurzfristig werden die Finanzierungsprobleme der Südländer zunehmen. Dies wird ein weiteres Eingreifen des ESFS/ESM und der EZB zur Folge haben. Die entscheidende Frage wird sein, ob diese Stützungsaktionen an Strukturreformen dieser Länder gekoppelt werden, die mit der nötigen Konsequenz auch umgesetzt und überwacht werden. Nur wenn auf diese Weise den internationalen Kapitalmärkten eine Entwicklungsperspektive aufgezeigt wird, kann das Vertrauen wieder zurückkehren.

Gelingt dies nicht innerhalb der nächsten 12 bis max. 24 Monate wird der Euro auseinanderbrechen. Es ist zu befürchten, dass dieses Auseinanderbrechen mit einer schwerwiegenden Finanzkrise einhergehen wird.