Frank Schäffler, Bundestagsabgeordneter (FDP) und Ende letzten Jahres Initiator des FDP-Mitgliederentscheids zum Thema Euro-Rettungsschirm, im Interview
Krisentalk:
Im Jahr 2012 ist der Finanzierungsbedarf der europäischen Staaten sehr hoch. Gleichzeitig überflutet die EZB die Märkte mit frischem Geld. Wird sich die Krise im laufenden Jahr wieder verschärfen? Müssen wir langfristig mit einer Inflation rechnen? (siehe auch Die Ruhe vor dem Sturm)
Frank Schäffler:
Inflation ist eine Ausweitung der Geldmenge und die haben wir schon. Früher oder später werden die Preise verstärkt anziehen, nicht nur wie jetzt hauptsächlich bei den Vermögensgütern und den Rohstoffen, sondern auch bei Milch und Brot. Jetzt macht die auf leisen Pfoten daherkommende Inflation die Reichen reicher, in Zukunft macht die laut galoppierende Inflation die Armen ärmer. Denn die Inflationssteuer bedeutet Umverteilung. Die Inflationisten hoffen, rechtzeitig die Zügel ziehen zu können.
Doch Inflation ist wie Ketchup, der in der Flasche klebt: Erst kommt gar nichts, aber dann so viel mit Schwung, dass es einem das Essen verdirbt.
Krisentalk:
Vor jeder Wahl erklären viele Politiker im Zusammenhang mit Subventionsabbau, dass Sparen falsch wäre. Es würde den wirtschaftlichen Aufschwung gefährden. Genau das wird nun von den gleichen Politikern für Europa mit dem Fiskalpakt und für Griechenland im Besonderen gefordert.
Wie passt das zusammen?
Frank Schäffler:
Ums Sparen geht es ja gar nicht, das kann der Staat gar nicht, sondern ums Kürzen der Ausgaben. Da gibt es solche und solche. Die einen, die Politiker auf der linken Seite, vertreten einen populistischen Keynesianismus und erzählen uns, man müsse die Wirtschaft ankurbeln, als ob die Wirtschaft eine Art Motor ohne Anlasser sei. Die anderen, die Ökonomen, die wissen, dass so erzeugtes Wirtschaftswachstum auf Pump nicht dauerhaft ist und sich die Fehlinvestitionen früher oder später als Luftnummer erweisen. Dann kommt die Rezession, die unweigerlich auf den inflationsinduzierten Boom folgt.
Der Fiskalpakt wiederum ist eine ganz große Täuschung. Mit ihm kann man Europa bei Beibehaltung des Euro nicht sanieren. Denn dann müsste entweder Deutschland inflationieren oder die ehemaligen Weichwährungsländer ihr Bruttoinlandsprodukt schrumpfen. Das ist einfach unmöglich, denn das erfordert einen Dreisprung. Erstens müsste man die Haushalte durch Kürzungen eindampfen, zweitens den Euro stabil halten und drittens Wirtschaftswachstum erzeugen. Das sind widerstreitende Ziele.
Der Fiskalpakt wird also scheitern und dann haben wir die gleiche Situation wie mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt, dass die Politik entscheiden muss, ob Sanktionen verhängt und durchgesetzt werden. Und das wird nicht passieren. (siehe auch Beitrag 'Murmeltier .. Sparpaket')
Krisentalk:
Was empfehlen Sie den Deutschen? Entspannt abwarten oder Krisenvorsorge betreiben?
Frank Schäffler:
Krisenvorsorge ist das A und O. Es ist völlig klar, dass das Euro-System so nicht bleiben kann. Die monetäre Planwirtschaft wird scheitern.
Krisentalk:
Ihre langfristigen Prognosen - Wird Griechenland 2015 noch in der Eurozone sein? Wie sieht der Euroraum im Jahr 2020 aus?
Frank Schäffler:
Anders in jedem Fall. Es gibt nur die Wahl zwischen dem Austritt von Staaten aus der Eurozone einerseits und einem inflationierten, also instabilen Euro andererseits. Der erste Weg wäre besser, den zweiten halte ich für wahrscheinlicher.
