Wilhelm Hankel

Professor Dr. Wilhelm Hankel, ein anerkannter Eurokritiker der ersten Stunde, erklärt warum der Euro scheitern wird und die Politiker nicht gewillt sind über eine Abschaffung des Euros nachzudenken.

Die Euro-Rettung wird nicht scheitern,sie ist es bereits. Keiner der Euro-Retter kann erklären,was mit den geschätzten 8-10 Billionen Euro Staats-und Privatschulden der Krisenländer geschehen ist, warum sie trotz des Transfers von Mitteln in Höhe von  annähernd 3 bis 4 deutschen Bruttoinlandsprodukten weder ihren Aufgaben gerecht werdende Staaten noch leistungsfähige Volkswirtschaften hervor gebracht haben. Und jetzt sollen diese verwirtschafteten Kredite (überwiegend Forderungen von  Banken an insolvente Staaten) dadurch "gerettet" werden,dass man sie aufstockt und auf andere überträgt!  EZB und der ab Juli tätig werdenden ESM wetteifern darin, diese längst  wertlos gewordenen alten Euro durch neue zu ersetzen. Die EZB produziert sie, indem sie unter Bruch ihrer Statuten ein beispielloses Inflationspotential schafft und den Euro-Sündern erneut zur Verfügung stellt. ESFS und ESM sind dazu da, sie den Bürgern der noch stabilen Staaten buchstäblich aus der Tasche zu ziehen: ihrem Einkommen.

Euro-Währung darf nicht über Menschen- und Bürgerrechten stehen

Ich weiß nicht,was mehr empört: die Leichtfertigkeit mit der Recht und Verträge gebrochen und zur Makulatur erklärt werden (Stabilitätspakt, No-Bail-Out-Klausel) oder die Ruchlosigkeit, mit der den Bürgern Deutschlands und anderer in die Eurohaft genommenen Staaten Geld, Ersparnisse und Lebenschancen genommen werden. Weder haben die Euro-Politiker dafür ein Mandat, noch steht die Euro-Währung über den Menschen- und Bürgerrechten.          

Das unverantwortliche Euro-Abenteuer hat einmal mehr den Beweis erbracht, dass Staat und Währung nicht zu trennen sind. In einer Gemeinschaftswährung á la Euro sind weder Währungsstabilität, demokratische Rechte der Völker noch deren Prosperität und Wohlstand sicher und zu garantieren. Ein Wahn-Idee, die jetzt noch weiter geführt und fortgesetzt werden soll!

Euro führte zwangsläufig zu Überkonsum und Überschuldung

Die Euro-Union musste scheitern, weil sie sowohl die Kreditwürdigkeit der unterschiedlich entwickelten und regierten Euroländer nivelliert und  ihre  bekannten und erkennbaren Kosten-, Produktivitäts- und Kaufkraft-Disparitäten ignoriert: Zinsen und (innere) Wechselkurse waren von Beginn an falsch und verzerrt und wurden es im Laufe der Jahre immer mehr. Sie verführten die heutigen Krisenländer zu sich steigerndem Überkonsum, finanziert aus Pump und Über-Verschuldung.

Euro-Abenteuer beenden!

Deswegen gibt es nur eine Lösung der Euro-Krise: Das Euro-Abenteuer beenden. Es gibt keine Alternative zu nationalen Währungen und realistischen Wechselkursen; kein gemeinsamer Markt kann auf Dauer ohne sie  funktionieren. Die EU zerstört sich selbst, wenn sie das nicht erkennt. Denn allein Wechselkurse und die mit ihnen verbundene  Gefahr der Währungsabwertung sind das Mittel, das Staaten zur Änderung ihrer Politik und zu echten Reformen zwingt, ohne dass von Außen in ihre demokratische Integrität eingegriffen wird, - so wie es fortlaufend die EU mit ihren Auflagen und ihrer Troika tut. Dieses Eingriffs-System soll nun mit ESM, Fiskalpakt und Bankenunion zur legitimiert werden. Die Abgeordneten,die noch in diesem Monat über den ESM abstimmen, müssen sich fragen lassen, wie sie es mit ihrem Gewissen und ihrem Amtseid vereinbaren können, einem solchen System offener Rechts-, Vertrags- und Verfassungsbrüche (der Verletzung der demokratischen Grund-Rechte in den Krisenländern) ihr Plazet zu geben.

Warum die Politik nationale Währungen tabuisiert

Warum die führenden Europa-Politiker das nicht einsehen? Weil Fanatismus blind macht - besonders dann wenn er mit Karriere, Pfründen und Alter-Starrsinn verbunden ist. Welcher sich als Denkmal selbst beweihräuchende Ex-Politiker hat schon die Größe zuzugeben, dass er sich  geirrt hat? Deutschlands noch lebende Ex-Kanzler offenbar nicht.

Doch Geschichte und Realität sind gnadenlos. Sie werden das alles korrigieren, wenn auch unter Schmerzen und erheblichen Kosten. Leider werden die Opfer sie bezahlen müssen,nicht die Verursacher.

Weitere Ausführungen zu dem Thema finden sich in dem neusten Buch von Professor Dr. Wilhelm Hankels und vier weiteren Experten:  "Gebt uns unsere D-Mark zurück: Fünf Experten beantworten die wichtigsten Fragen zum kommenden Staatsbankrott"