Einer der schicksalsschwersten Tage unserer Geschichte war der 25. Oktober 1929, der sogenannte schwarze Freitag. Mit diesem Tag nahm der New Yorker Börsenkrach seinen Anfang und in der Folge nahmen sich viele verzweifelte Menschen das Leben.

Selbstmordwelle in Griechenland

Diese Verzweiflung wurde wieder wach, als wir vor wenigen Wochen feststellen mussten, dass eine Selbstmordwelle unsere griechischen und italienischen Nachbarn erfasst hatte. Gerade Griechenland, das von der Schuldenkrise am ärgsten gebeutelte Land, musste erleben, dass verzweifelte Menschen keinen anderen Ausweg mehr wussten, als sich umzubringen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sollen die Selbstmorde in Griechenland in den vergangenen zwei Jahren um rund vierzig Prozent angestiegen sein.

Selbsttötungen auch in Italien 

Doch nicht nur Griechenland hat Selbstmordopfer zu beklagen, auch vor Italien hat diese Welle nicht halt gemacht. Zwischen 2005 und 2010 sind dort die Selbstmordzahlen laut „New York Times“ um 52 Prozent gestiegen. Seit 2011 rückt dieses Thema immer mehr in den Blick der Öffentlichkeit. Laut „New York Times“ sollen sich italienische Unternehmer das Leben genommen haben, weil sie ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen konnten. Venetien ist besonders stark von der Krise betroffen. In dieser Region wurden laut „New York Times“ in den letzten drei Jahren mehr als dreißig Selbstmorde von Kleinunternehmern gezählt.  Besonders schockierend sind Fälle, wie die Selbstverbrennung eines Maurers in Blogna. Sein Motiv: Steuerschulden. Er überlebte zunächst schwerverletzt und erlag aber dann am neunten Tag seinen Verletzungen.

In Italien gibt es inzwischen in mehreren Regionen ein Netzwerk, das Unternehmern und Angestellten psychologische Unterstützung bietet. Viele Unternehmer scheuen sich jedoch bisher, diese Hilfe anzunehmen.
Noch scheint Deutschland von einer akuten Selbstmordwelle verschont zu sein. Wie es allerdings weitergeht  bleibt abzuwarten. Wenn Verzweiflung um sich greift, weil man als Mutter seine Kinder nicht mehr versorgen kann, ist es schwer, besonnen zu reagieren. Genauso schwer ist es für denjenigen,  der sieht, dass sein Lebenswerk systematisch kaputt geht und nicht mehr zu retten ist.

Darum müssen wir zusammenstehen und dürfen auch unsere europäischen Nachbarn nicht einfach hängen lassen. Denn die Schuldenkrise ist ein europäische Krise, die uns alle betrifft.