Wie in meinem Kommentar angekündigt, möchte ich mal versuchen zu erläutern warum meiner Meinung nach die Staatsverschuldung beinahe normal bzw. zwingend notwendig ist und warum die Parteien wahrscheinlich gar keine Möglichkeit haben diese zu tilgen.
Den Grund für die Staatsverschuldung bei den Parteien zu suchen ist wohl grundlegend falsch. Allerdings ist es gleichwohl die einfachste Lösung. Aber warum ist das so und warum schafft es keine Partei eine Alternative zum Schulden machen anzubieten?
Um diese Frage zu beantworten muss man die Thematik wahrscheinlich grundlegend aufrollen und versuchen so auf die wirklichen Ursachen zu kommen.
Wie entstehen Schulden?
Laut Wikipedia wird der Begriff Schulden in Gesetzen oft auch als Pendent zu Vermögen genutzt! Damit sind wir dem Problem auch schon ganz dicht auf der Spur. Schulden entstehen dadurch, dass ich mir bei einem fremden Dritten Geld leihe. Somit entstehen allerdings nicht nur die Schulden sondern im selben Zug entsteht auch Guthaben.
Ein Beispiel:
A geht zur Bank und leiht sich dort 1000,- Euro. Jetzt hat er ein Guthaben von 1000,- und gleichzeitig Schulden in Höhe von 1000,-. Somit wurde quasi neues Geld geschaffen mit dem A jetzt seine Rechnung bezahlen kann. Natürlich muss jetzt A nicht nur die 1000,- Euro sondern 1100,- Euro an die Bank zurückzahlen, da diese Zinsen verlangt.
Jetzt haben wir zunächst erklärt wie Schulden grundsätzlich entstehen aber wo liegt jetzt das Problem?
Das Schuldgeldsystem und die Vermögensverteilung
Wir haben gesehen, dass den Schulden also immer dieselbe Summe an Guthaben gegenübersteht. So ist es nicht nur bei A sondern auch beim deutschen Staatshaushalt. Die ca. 2 Billionen Schulden müssen also auch bei jemand mit 2 Billionen Guthaben in den Büchern stehen. Damit lässt sich im Wesentlichen das Schuldgeldsystem beschreiben.
Diese 2 Billionen an Guthaben sind allerdings nicht gleichmäßig verteilt, sondern ein Großteil des Vermögens befindet sich im Besitz einiger wenigen.
So verfügen 10% der Bevölkerung über 2/3 des Vermögens aller deutschen Haushalte.
Das Problem ist nun, dass dieses Geld nur gegen Zinsen verliehen wird und diese Zinsen muss der Staat bzw. die Bevölkerung nun verdienen. Hierdurch wächst das Vermögen in den Händen der wenigen immer weiter.
Um die steigende Zinslast die durch das wachsende Vermögen entsteht ( Zinseszinseffekt ) zu bedienen, muss natürlich auch die Wirtschaft wachsen. D.h. die Unternehmen müssen mehr verkaufen und mehr Gewinn zu erzielen, der Staat muss mehr Steuern einnehmen ( z.B. durch Umsatzsteuer bei einer wachsenden Wirtschaft).
Was der Zinseszinseffekt für eine Auswirkung hat lässt sich mit dem folgenden Video ganz gut veranschaulichen:
Somit kommt man zu dem Entschluss, dass die Wirtschaft immer weiter wachsen muss um das System am Laufen zu halten. So lange die Verschuldung also im selben Maß wie das Wirtschaftswachstum ansteigt ist also alles in Ordnung.
Staatsschuldenkrise oder Finanzkrise
Man sieht also, dass die Staatsverschuldung fast schon ein zwingender Automatismus ist und wenn die Parteien davon reden Sie müssen die Konjunktur ankurbeln und für mehr Wachstum sorgen wird die Anzahl derjenigen die das in Frage stellt plötzlich bedeutend kleiner.
Aber wann sind die Grenzen erreicht?
Die Grenzen sind dann erreicht wenn die Staatschulden stärker ansteigen als das Wirtschaftswachstum und dies nachhaltig so bleibt.
Man könnte auch sagen wenn die finanziellen Mittel die aufgewendet werden müssen um Wachstum zu erreichen zu eben diesem außer Verhältnis stehen.
Dies war insbesondere im Zuge der Finanzkrise der Fall.
Die Haushalte der momentan kritischen Länder wie Spanien, Italien, Portugal und Irland war weitestgehend in Ordnung. Der irische Haushalt stand sogar ziemlich gut dar. Allerdings machten den Iren ein überhitzter Immobilienmarkt sowie die Größe der dort ansässigen Banken große Probleme.
Einzige Ausnahme hierbei bildete Griechenland, das bereits Ende 2007 eine Staatsverschuldung in Höhe von 105% des jährlichen BIP hatte. Im Vergleich dazu: Irland 25%, Spanien 36%, Portugal 63% und Deutschland 65%.
Die Exorbitante Verschuldung die jetzt zur Europäischen Schuldenkrise geführt hat ist also durch die Finanzkrise extrem verschärft wurden. Weitere Ursache war das stetige Leistungsbilanzdefizit der Krisenländer aber dies steht zunächst auf einem anderen Blatt. Man könnte also nach wie vor die aktuelle Situation auch als Finanzkrise bezeichnen.
Zusammenfassend lässt sich somit eigentlich sagen, dass die Politiker fast schon hilflos der Verschuldung gegenüberstehen denn diese entsteht im Wesentlichen durch unser Geldsystem, das die Politiker dazu verpflichtet für Wachstum zu sorgen und dieses lässt sich nur durch Konsum und neue Schulden verwirklichen.
Was passiert wenn diese Zinsen nicht mehr gezahlt werden können bzw. nicht mehr von der Bevölkerung erwirtschaftet werden können lässt sich eigentlich leicht schlussfolgern -> der Zusammenbruch des Systems! Aber was das für Folgen hat kann wiederum keiner sagen. Damit haben wir dann auch den Grund warum mit aller Macht versucht wird dieses System am Laufen zu halten.
Anmerkungen:
Warum können Unternehmen nicht existieren wenn sie so wirtschaften würden wie der Staat?
Weil Unternehmen viel kleiner sind bzw. weniger Macht als der Staat haben und somit wesentlich schneller zahlungsunfähig werden.
Zu bedenken ist aber, wenn der Staat nicht die Schulden trägt muss es wer anders tun denn wir sehen dass das eine Gesetzmäßigkeit im Schuldgeldsystem ist, die unumstößlich ist. Somit kommen wir zu dem Entschluss, dass wenn der Staat nicht so wirtschaften würde, würden die Unternehmen gar nicht wirtschaften denn sie könnten diese Schuldenlast nicht tragen. Paradox aber so ist es wohl.
Ohne Staatschulden keine Staatsanleihen!
Ferner ist zu beachten, dass wenn der Staat keine Schulden hat, keine Staatsanleihen als Anlageklasse zur Verfügung stehen. Die brauch man ja nicht werden jetzt viele sagen aber man sollte doch bedenken, dass viele Pensionskassen und Versicherungen eben in solche Staatsanleihen investieren müssen da diese in der Regel eine hohe Bonitätsnote von den Ratingagenturen erhalten und viele PK und Vers. dazu verpflichtet sind nur in Anlagen mit Topbonität zu investieren. Da bleiben ja mittlerweile fast nur noch die deutschen Staatsanleihen.
Dass das allerdings auch bald Geschichte ist steht auf einem anderen Blatt und möchte ich jetzt auch nicht weiter vertiefen denn das lässt sich bestimmt besser in anderen Themen verpacken.
