Seitdem wir Griechenland so sehr mit der „Schuldenkrise“ assoziieren, fahren viele Touristen gar nicht mehr so gerne in dieses sonst so beliebte Urlaubsland.
Angst vor Arbeitsplatzverlust
Trotzdem fuhr ich Anfang Juni als Urlauberin nach Griechenland. Wir wählten als Transportmittel kein Flugzeug, sondern die Fähre. So hatten wir schon von Venedig aus die Möglichkeit, mit dem griechischen Personal in Kontakt zu kommen.
Dort stellte ich fest, dass die Griechen allgemein ziemlich gereizt auf Deutsche reagierten. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust, oder Gehaltskürzungen war ihnen deutlich abzuspüren. Ich fühlte mich nicht herzlich angenommen, sondern eher feindselig in Kauf genommen.
Doch das änderte sich, als wir in Korfu, unserem Urlaubsziel ankamen. Korfu spiegelt vielleicht nicht das typische Griechenland wider. Jedenfalls waren hier die Menschen überwiegend freundlich. Als ich wegen plötzlicher Schmerzen eine Ärztin aufsuchen musste, behandelte mich diese ebenfalls sehr nett und kompetent. Es war allerdings auffallend, dass während meiner mehrmaligen Besuche in der Praxis grundsätzlich keine anderen Patienten zu sehen waren. Die ersten Vorboten eines medizinischen Stillstandes? Die Antwort darauf habe ich nicht gefunden. In der Apotheke gab es jedenfalls meine schmerzstillenden Mittel und sie zeigte sich auch sehr gut sortiert.
„Denare“ für alle
Natürlich diskutierten wir mit den Griechen auch über die Schuldenkrise. Zumindest soweit das ohne Griechischkenntnisse möglich war. Die meisten Griechen, die ich traf, waren Händler und wollten, wie sollte es anders sein, dass wir einkauften. Möglichst viel, damit die Wirtschaft angekurbelt wird. Ein Grieche meinte, es wäre doch ganz einfach, die Krise zu beenden: Griechenland führt den Denar wieder ein und Deutschland schließt sich diesem an. Unter der Führung Griechenlands! Dann wäre alles gut. Krise zu Ende.
Ob er Spaß machte, oder es ernst meinte, war nicht ganz abzusehen. Alles in allem war die Stimmung auf Korfu nicht schlecht. Im übrigen Griechenland sieht das wahrscheinlich ein wenig anders aus. Die Hafenstadt Igoumenitsa, in der wir zuerst ankamen, machte einen eher tristen Eindruck auf mich.
Insgesamt gibt es wohl auch in Griechenland die wohlhabendere Bevölkerungsschicht, bei der die Krise noch nicht wirklich angekommen ist.
