"Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten."
(Profile der Zukunft - Über die Grenzen des Möglichen)
Insbesondere bei Politikern und studierten Volkswirtschaftlern herrscht heute eine totale Verwirrung bezüglich der so genannten Finanzkrise. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn das obige Zitat aus dem Standardwerk der Futuristik bezieht sich nicht auf die ferne Zukunft. Allgemeiner Wohlstand auf höchstem technologischem Niveau, eine vollkommene Synthese aus Natur und Kultur ohne Ressourcenverschwendung und Umweltzerstörung sowie der selbstverständliche Weltfrieden wären in rein technischer Hinsicht sogar schon vor der Geburt von Sir Arthur Charles Clarke (1917 - 2008) zu verwirklichen gewesen! Was bis heute als "hohe Politik" bezeichnet wird, wäre längst überflüssig.
Dass eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt, "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld", die echte Soziale Marktwirtschaft (freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus), die "ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht" (Zitat: Silvio Gesell), bis heute nicht verstehen konnte und "Spitzenpolitiker" wie "Wirtschaftsexperten" sich noch immer mit "theologischen Debatten des Mittelalters" beschäftigen, beruht auf einer uralten Programmierung des kollektiv Unbewussten, die seit den ersten Anfängen der Geldwirtschaft erforderlich war, um den Kulturmenschen an ein darum bis heute fehlerhaftes Geld (Zinsgeld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion) anzupassen, solange das Wissen noch nicht zur Verfügung stand, um das Geld an den Menschen anzupassen. Heute steht dieses Wissen zur Verfügung, aber die halbwegs zivilisierte Menschheit ist noch immer religiös. Der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation setzt die Überwindung der Religion, den Erkenntnisprozess der Auferstehung, voraus!
Noch bevor Silvio Gesell die ideale Makroökonomie beschrieb, hatte der 1887 vom deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck beauftragte Nationalökonom Dr. Gustav Ruhland herausgefunden, dass alle Hochkulturen und Weltreiche in der Geschichte an der systemischen Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (Kapitalismus) untergegangen waren:
"Wir werden also, bei sonst gleichen Verhältnissen, jenes Land als auf der höheren Stufe volkswirtschaftlicher Entwicklung stehend zu bezeichnen haben, in welchem der Mittelstand am meisten vertreten ist. Wo aber der Mittelstand sich in fortschreitender Auflösung befindet, dort haben wir eine direkt dem Verderben entgegenreifende Entwicklung vor uns, und zwar umso sicherer, je größer der Reichtum ist, welcher diesen Auflösungsprozess des Mittelstandes begleitet."
http://www.deweles.de/files/untergang.pdf
Das die Marktwirtschaft immer wieder zerstörende Gegenprinzip des Privatkapitalismus (die in Genesis_3 mit archetypischen Bildern und Metaphern exakt umschriebene Erbsünde) spaltet die Gesellschaft - von einem Krieg bis zum nächsten und dazwischen mit exponentiell steigender Tendenz - in eine immer ärmere Mehrheit von Zinsverlierern (Proletariat) und eine immer reichere Minderheit von Zinsgewinnern (Dekadenz), bis der Zinsgeldkreislauf ("Baum des Lebens") zusammenbricht (Liquiditätsfalle) und die gesamte Kultur zerfällt. Wer aber das Paradies (die freie Marktwirtschaft) für einen "Obstgarten" hält und die "Frucht vom Baum der Erkenntnis" (den Urzins nach S. Gesell bzw. die Liquiditäts(verzichts)prämie nach J. M. Keynes) für einen Apfel, muss tatsächlich daran glauben, dass arbeitsfreie Kapitaleinkommen auf Bäumen wachsen und nicht durch die Mehrarbeit anderer. Darum glauben an Universitäten indoktrinierte "Wirtschaftsexperten", dass Wirtschaftskrisen durch "Stimmungen" und/oder "politische (Fehl-)Entscheidungen" ausgelöst werden. Zweifellos kann dies zu Verstärkungs- und Beschleunigungs- oder vorübergehenden Eindämmungs- und Verzögerungseffekten führen, doch die Krise selbst ist mit "Wirtschafts- und Finanzpolitik" nicht zu beenden. Dies war in der Vergangenheit nur durch Kriege möglich:
"Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird vorzüglich darin gefunden, daß die besonders rentablen Kapitalanlagen großen Maßstabes heute erschöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben. …Nur ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheure Kapitalzerstörung, welche er bedeutet."
(aus der Zeitschrift des Sparkassenverbandes von 1891)
Bekanntlich gab es danach zwei "allgemeine europäische Kriege", die sich sogar weltweit ausdehnen ließen, um soviel Sachkapital zu zerstören, dass der globale Zinsfuß wieder auf eine für den Kapitalismus lukrative Höhe angehoben und somit wieder neues Zinsgeld in neue Sachkapitalien investiert werden konnte. Dieses sinnlose Spiel von Zerstörung und Wiederaufbau betreibt die Menschheit schon solange, wie sie Zinsgeld (anfangs Edelmetallgeld) benutzt und es ein privates Bodeneigentumsrecht gibt. Wird über einige Jahrzehnte, solange die Volkswirtschaft noch wachsen kann, an der Vermehrung von Sachkapitalien (Häuser, Fabriken, Schiffe, etc.) gearbeitet, sinkt aufgrund marktwirtschaftlicher Konkurrenz der Kapitalmarktzins, was an sich positiv ist, weil dadurch die Arbeitslöhne steigen. Weil aber ein a priori fehlerhaftes Geld mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion (Zinsgeld) nur gegen eine Liquiditätsverzichtsprämie (Urzins) mittel- bis langfristig verliehen und somit in Sachkapital investiert werden kann, aus dem jegliche Wertschöpfung und auch der Urzins erarbeitet werden, wird nicht mehr investiert, sondern nur noch spekuliert, wenn der Zinsfuß auf die Liquiditätspräferenzgrenze von etwa 2 bis 3 Prozent absinkt (der Anstieg des Zinsfußes z. B. in Griechenland ist allein auf einen überproportionalen Anstieg der Risikoprämie zurückzuführen, während die Liquiditätsverzichtsprämie weiterhin sinkt). Dann kommt es zu der von Keynes beschriebenen Liquiditätsfalle - und am Ende zur globalen Liquiditätsfalle! Die Heilige Schrift bezeichnet dieses Ereignis als "Armageddon".
In einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) wirtschaften alle Menschen gegeneinander, weil jeder durch die Ansammlung von möglichst viel Eigenkapital (Zinsgeld, Sachkapital oder Boden) nur versuchen kann, auf Kosten anderer zu leben (Zinsgewinner), damit andere nicht auf seine Kosten leben (Zinsverlierer). Das gilt sowohl für jeden einzelnen Wirtschaftsteilnehmer als auch für Nationalstaaten, die sich gegenseitig in die Schuldenfalle treiben müssen, bis der nächste Krieg unvermeidlich wird. So makaber es klingt, die einzige Hoffnung, dass sogar die "hohe Politik" mit dem Denken anfängt (was in diesem Fall bedeutet, sich selbst überflüssig zu machen), ist die Atombombe, denn der Krieg konnte nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab! Ohne die atomare Abschreckung wäre es etwa in den 1980er Jahren zum 3. Weltkrieg gekommen. Auf der anderen Seite hat darum heute, durch das Ausbleiben dieser "überfälligen Sachkapitalzerstörung", die Zinsumverteilung - sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten - ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht, sodass die unmittelbar bevorstehende globale Liquiditätsfalle unsere ganze "moderne Zivilisation" auslöschen kann, ohne dass dafür ein Atomkrieg erforderlich wäre! Denn je höher man auf der Stufenleiter der Arbeitsteilung nach oben kommt ohne eine stabile Makroökonomie, desto tiefer ist der Fall: Über 90% aller heute auf diesem Planeten lebenden Menschen müssten innerhalb kurzer Zeit verhungern, und aus den Zivilisationstrümmern würde keine neue Zivilisation entstehen können. Der überlebende "Rest der Menschheit" wäre wieder in der Steinzeit gelandet und müsste die gesamte bisherige kulturelle Entwicklung noch einmal durchlaufen.
Der Kapitalismus lässt sich nicht beseitigen, indem "der Staat" den Reichen etwas wegnimmt ("Auge um Auge, Zahn um Zahn"), sondern indem er ausnahmslos allen arbeitswilligen Menschen, die bisher am marktwirtschaftlichen Wettbewerb gehindert oder von ihm ausgeschlossen waren, es durch geeignete wirtschaftliche Rahmenbedingungen ermöglicht, den Reichen Konkurrenz zu machen ("...wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.")! Leistungslose Kapitaleinkommen auf Kosten der Mehrarbeit anderer (Zinsen, Renditen und private Bodenrenten) können nicht "besteuert" werden (Das führt lediglich zu einem Anstieg des Kapitalmarktzinses, bis die bereits "versteuerten" Kapitaleinkommen wieder genauso groß sind, wie zuvor die unversteuerten!), sondern sie dürfen gar nicht erst entstehen und müssen sich durch vollkommenen marktwirtschaftlichen Wettbewerb (monopolfreie Marktwirtschaft) immer wieder eigendynamisch auf Null regeln! Genau das hatte auch Ludwig Erhard im Sinn, nur wusste er selbst nicht genau, wie dieses große Ziel zu erreichen ist. Deshalb arbeitete er mit kompetenten Beratern zusammen, die die Bezeichnung "Wirtschaftsexperten" noch verdienten:
Der Begriff "Soziale Marktwirtschaft" stammt von dem Freiwirtschaftler Otto Lautenbach, der im Januar 1953 die Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM) gründete. In enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Wirtschaftsminister und späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard sollte erstmalig eine "freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus" verwirklicht werden. Im Juli 1954 verstarb Otto Lautenbach, die ASM zerfiel im Streit (eine Organisation gleichen Namens existiert heute noch, sie verfügt aber über keinerlei makroökonomische Kompetenz mehr). Für die makroökonomische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland wurde ein von der so genannten "katholischen Soziallehre" beeinflusstes Konzept von Alfred Müller-Armack übernommen, eine "sozial gesteuerte Marktwirtschaft" (kapitalistische Marktwirtschaft mit angehängtem "Sozialstaat"), für die sich später der Begriff "soziale Marktwirtschaft" einbürgerte.
Damit es nicht nur für Deutschland wieder eine Zukunft gibt, müssen wir nichts weiter tun, als das nachzuholen, was in den 1950er Jahren versäumt wurde. Die echte Soziale Marktwirtschaft, die den "Sozialstaat" zur Finanzierung kapitalismusbedingter Massenarbeitslosigkeit gar nicht nötig hat, weil sie prinzipbedingt und unabhängig vom jeweiligen Stand der Technologie für natürliche Vollbeschäftigung sorgt, ist nichts anderes als die Natürliche Wirtschaftsordnung, die Silvio Gesell bereits 1916 vollständig und widerspruchsfrei beschrieben hatte:
http://www.deweles.de/files/soziale_marktwirtschaft.pdf
Warum ist diese einzige Möglichkeit des zivilisierten Zusammenlebens, bei dem die Menschen nicht länger gegeneinander sondern miteinander wirtschaften, um gemeinsam eine wahre Zivilisation aufzubauen, von der "Spitzenpolitiker" und "Wirtschaftsexperten" nicht einmal träumen können, bis heute nicht verwirklicht?
Fragen Sie die "heilige katholische Kirche":
http://www.deweles.de/files/himmel_auf_erden.pdf
Stefan Wehmeier, 16. Juli 2012
http://www.deweles.de/intro.html
